Baumwolle

Baumwolle, auch als das „weiße Gold“ bezeichnet. Der Stoff aus dem die Träume der Fashion Industrie sind. Der Stoff aus dem die Albträume vieler Menschen in der textilen Kette von T-Shirts, Sweatshirts, Jeans und Caps sind.

Der konventionelle Anbau von Baumwolle schadet Umwelt und Menschen auf viele Arten und Weisen. Für die Herstellung einer Jeans werden laut dem Pesitzid Aktions Netzwerk (PAN) bis zu 8.000 Liter Wasser gebraucht. Berechnungen des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie kommen für einige Teile der Welt auf 20.000 Liter Wasser pro T-Shirt.

Baumwolle ist der weltweit bedeutendste Textilrohstoff. 33% der weltweiten Produktion von Textilfasern, einschließlich anderer Naturfasern und Chemiefasern gehen auf das Konto von Baumwolle. In der Produktion von Naturfasern sind es sogar 75%. Baumwolle wird zwischen dem 37. nördlichen Breitengrad und dem 30. südlichen Breitengrad angebaut. Am besten gedeiht sie bei frostfreiem, warmen Wetter. Die Pflanze braucht viel Sonne und Wasser und möglichst gleichbleibende Temperaturen zwischen 18 – 28º C. Die älteste nachgewiesene Baumwollkultur findet sich in Indien im 3. Jahrtausend vor Christus. Andere Aufzeichnungen aus Ägypten gehen zurück bis ins 12. Jahrtausend vor Christus.

Die weltweit bedeutendsten Baumwollproduzenten sind die Volksrepublik China (32% der weltweiten Produktion 2008/2009), Indien (22%), die USA (12%) und Pakistan (8%). In Europa ist Griechenland das einzige Land mit einer größeren Produktionsmenge (0,97%). Die Türkei mit 2% der weltweiten Produktion wird hier zu den asiatischen Nationen gezählt, da die Hauptanbauflächen in Asien liegen.

Auf keiner Pflanze der Welt werden mehr Pestizide eingesetzt. Die für den konventionellen Anbau verwendeten Chemikalien mindern die Bodenqualität der Äcker. Bodenerosion ist die Folge. Die Pestizide und Insektizide wirken sich auch negativ auf angrenzende Äcker und Pflanzen aus. 25% aller weltweit verwendeten Insektizide und 10% aller weltweit verwendeten Pestizide entfallen auf den Anbau herkömmlicher Baumwolle. Im Gegensatz dazu wird jedoch nur 4% der weltweiten Ackerfläche für deren Anbau verwendet. Stoffe die in der Weiterverarbeitung von Baumwolle verwendet werden sind schwer abbaubar und belasten die Umwelt. Durch viele verwendete Farbstoffe gelangen Schwermetalle in die Natur.

Pestizide und Insektizide schaden vor allem den Menschen, die direkt auf den Baumwollfeldern arbeiten. Fast alle dieser Mittel werden in Europa produziert, sind dort aufgrund von Umweltbedenken und Gesundheitsrisiken nicht zugelassen und für die Verwendung in Afrika oder Asien bestimmt. Pro Jahr sterben 10.000 Menschen an den direkten Folgen der eingesetzten Chemikalien, mehr als 1,5 Millionen Menschen vergiften sich jährlich an eingesetzten Mitteln wie Endosulfan. Die Hersteller dieser Gifte sind große Konzerne wie Bayer oder BASF.

Kinderarbeit ist Alltag in der Baumwollproduktion. Der größte Anteil der arbeitenden Kinder sind Mädchen. Sie gelten als besser kontrollierbar, arbeiten genauer und sind vergleichsweise billiger. Auf der anderen Seite werden in vielen Teilen der Welt Frauen von bezahlter Arbeit ausgeschlossen. Der größte Teil der Kinder, die auf den Baumwollfeldern arbeiten gehen nicht zur Schule. Die meisten dieser Kinder leiden an gesundheitlichen Problemen, da sie den ausgebrachten Pestiziden ausgesetzt sind. Große Saatgutunternehmen und multilaterale Konzerne wie Monsanto, Syngenta und Unilever unterstützen die Kinderarbeit indirekt. Denn die Konzerne machen Verträge mit Abnehmern von Saatgut und Chemikalien, die wiederum Kinder beschäftigen. Die Schädigung der Umwelt durch die Chemikalien führt zu Ernteverlusten. Eine einzige Missernte bedeutet für einen Kleinbauern den finanziellen Ruin. Die Kette lässt sich schier endlos fortführen, über Ausbeutungsbetriebe in der Weiterverarbeitung der Baumwolle zu Sweatshops in denen Kinderhände Turnschuhe zusammen nähen.

Das Beispiel Usbekistan ist besonders erschreckend. „Kinderarbeit ist in Usbekistan verboten. Aber dessen ungeachtet werden hunderttausend Kinder von der usbekischen Regierung für die Dauer der Ernte zur Arbeit in den Baumwollfeldern herangezogen. Für ihre Arbeit erhalten die SchülerInnen und StundentInnen keinen oder einen sehr geringen Lohn. Schriftliche Instruktionen existieren nicht, der Befehl, die Kinder für den Ernteeinsatz zu sammeln, erfolgt per Telefon. Auch Statistiken existieren nicht. Die Kinder und StundentInnen werden verpflichtet, für die Zeit der Ernte, d. h. für zwei bis drei Monate im Jahr, in den Baumwollfeldern Baumwolle zu pflücken. Während dieser Zeit erhalten sie keinen Unterricht. Da die Baumwollfelder in der Regel weit von zu Hause entfernt liegen, werden die Kinder zu den Feldern transportiert und in Gebäuden untergebracht, in denen sie für die Zeit der Ernte unter sehr dürftigen Lebensbedingungen und schlechten hygienischen Bedingungen leben. Bei ihrer Arbeit müssen sie die vorgegebenen Quoten von 30 bis 50 kg geernteter Saatbaumwolle pro Tag erreichen. Ernten sie weniger oder ist die geerntete Qualität schlecht, werden sie bestraft. Die Bestrafung reicht von Demütigung vor der Gruppe bis hin zu körperlichen Strafen. Diejenigen, die versuchen zu fliehen, riskieren, von der Schule oder Universität ausgeschlossen zu werden.“  (Quelle: Tashkent Centre for Social Research ‘Tahlil (2002): „Child labour in Usbekistan“)

Im Januar 2010 wird von der Financial Times Deutschland über einen Bio-Baumwoll Betrugsskandal berichtet. Indische Behörden hatten den Betrug bereits im April des vergangenen Jahres aufgedeckt, die Behörden sprachen von „Betrügereien in gigantischem Ausmaß“. Kunden in Europa und den Vereinigten Staaten sind mittlerweile bereit, für Bio-Baumwolle tiefer in die Tasche zu greifen. Nach Recherchen der Financial Times Deutschland haben Hersteller in Indien versucht Ihre Profite zu steigern, in dem sie die Nachfrage nach Bio-Baumwolle mit gentechnisch verändertem Produkt bedienten. In Deutschland wurde in großem Stil genveränderte Baumwolle als Bio-Produkt ausgezeichnet. Daran beteiligt waren Firmen wie H&M, C&A und Tchibo. Außerdem sollen die Bio-Zertifizierer Ecocert aus Frankreich und Control Union aus den Niederlanden in den Betrugsfall verwickelt sein. Indische Behörden belangten die Unternehmen mit Geldstrafen in Höhe von mehreren Zehntausend Euro. Auf Anfragen der Financial Times haben die Unternehmen nicht reagiert.

Genverändertes Saatgut von Konzernen wie Monsanto versagt immer wieder. Das Saatgut ist genetisch so verändert, dass der Einsatz von Pestiziden durch Selbstschutz/Immunität der Pflanzen auf ein Minimum reduziert werden soll. Die Baumwolle dieser Genveränderten Saat ist nach Berichten von Bauern von minderer Qualität (kurzfädiger). Monsanto besitzt Patentrechte auf Nutzpflanzen, in die Bt-Toxin-Gen eingeführt wurde, unter anderem auf BT-Baumwoll-Saatgut.

In manchen Regionen, wo sogenannte BT-Saat verwendet wurde, werden erste Schädlinge resistent gegen die genveränderten Pflanzen. Bereits 1996 wird transgene Baumwolle Opfer von Raupenbefall. Gerade gegen diesen Raupenbefall hätten die genveränderten Pflanzen aber immun sein sollen. In einer Studie aus dem Jahr 2008 kommen Forscher zu dem Ergebnis, dass sich in den vergangenen Jahren vor allem Futterwanzen dramatisch ausgebreitet haben. Diese sind nicht Ziel der BT-Baumwolle und galten bisher in betroffenen chinesischen Regionen als unbedeutende Schädlinge. Diese Wanzen fallen nun erstmals auch über Obstkulturen her. Die Forscher schließen daraus, dass die Bekämpfung bestimmter Schädlinge zur Ausbreitung anderer führen kann. Charles Darwin hatte dafür bereits 1859 eine Erklärung, die bis heute nichts an Aktualität und Beweiskraft verloren hat: Evolution.

Der jährliche Verlust allein für die Länder Benin, Burkina Faso, Tschad und Mali durch US-Subventionen wird in unterschiedlichen Studien auf 43 bis 126 Millionen Dollar geschätzt. In den USA erhalten die Baumwollfarmer zwischen zwei und drei Milliarden US-Dollar pro Jahr an Zuschüssen, in der EU sind es etwa 275 Millionen Euro. Erzeuger aus Industriestaaten bleiben somit wettbewerbsfähig, denn sie können ihre Baumwolle zu niedrigen Preisen verkaufen.



Ernteausfälle, Schäden an Natur und Umwelt, Subventionen durch die USA und Europa an Erzeuger aus Industriestaaten, steigende Resistenz von Schädlingen gegen das genveränderte Saatgut sowie mindere Qualität genveränderter Baumwolle, gleichzeitig aber steigende Preise für Saatgut und zusätzlich zu verwendende Pestizide, treiben Kleinbauern weltweit in die Armut. Diese finanzieren Insektizide, Pestizide und Aussaat über Kredite und bringen sich so in die Abhängigkeit von Chemie- und Genkonzernen wie Bayer, Syngenta oder Monsanto. Nach Einführung von Bt-Baumwolle soll in Indien die Suizidrate indischer Kleinbauern, die ihre Familien nicht mehr ernähren konnten, massiv angestiegen sein. Dabei handelt es sich nicht um Unsummen von Dollars. Es sind, für westliche Verhältnisse, Kleinstbeträge von 2.000 bis 3.000 US$, die täglich ganze Existenzen zerstören.




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