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Arbeitsrechtsverletzungen von Nike

Nike besitzt einen Verhaltenskodex, der in seinen Zulieferbetrieben durchgesetzt sein soll. Eine gute Sache, mag man meinen. Nike produziert auf der ganzen Welt, hauptsächlich in asiatischen Billiglohnländern.

Von den Fabriken, die für Nike produzieren, gehören keine Nike selber. Diese Politik macht einen Wechsel des Produktionsstandortes, bei z.B. Arbeitsrechtsverletzungen, die durch unabhängige Kontrollen aufgedeckt werden, schnell und unkompliziert möglich. Das Beispiel der BJ&B Fabrik in der Dominikanischen Republik verdeutlicht dieses Vorgehen von Nike, aber auch die Philosophie der großen Sportartikelhersteller insgesamt.
Das Unternehmen produzierte Caps für Nike und Adidas. Nachdem es Angestellten der Fabrik BJ&B gelungen war, eine Gewerkschaft zu gründen, verloren diese plötzlich ihre Arbeit. Die Fabrik gehört zu einer koreanischen Gruppe Namens Yupoong. Die Gruppe besitzt mehrere Fabriken und ließ die Bestellung von BJ&B daraufhin woanders produzieren. So wurde Nike‘s Verhaltenskodex nicht direkt verletzt, da die Fabrik weder Nike noch dem direkten Zulieferer gehört.

Im eigenen Verhaltenskodex verpflichtet sich Nike die Kernnormen der ILO-Grundsätze zu respektieren. Diese Normen beinhalten das Recht auf Vereinigungsfreiheit und verbieten Zwangs- und Kinderarbeit. Jenseits dieser Normen fehlt dem Kodex die Verpflichtung einen existenzsichernden Lohn zu zahlen, ebenso wie die Verpflichtung der Zulieferer mit seinen Angestellten einen gewöhnlichen Arbeitsvertrag abzuschließen. Vielerorts entsprechen die Arbeitsbedingungen in den Fabriken nicht einmal den in Nike‘s Verhaltenskodex beschriebenen Zielen. Obwohl Nike angibt, seine Zulieferer zu überprüfen, hat die Durchsetzung von Sozialstandards durch die Arbeiter in der Praxis meist den Verlust des Arbeitsplatzes zur Folge. Die Eigentümer betroffener Fabriken schließen diese und ziehen an andere Standorte um, nicht jedoch ohne vorher die betroffenen Personen auf eine schwarze Liste zu setzten, die es ihnen so gut wie unmöglich macht wieder Arbeit zu finden.

Im November 2007 wurden 55 Gewerkschaftsmitglieder der Star Factory in Honduras, kurz nach dem sie eine Gewerkschaft für den Betrieb hatten registrieren lassen, entlassen. Paxar, ein türkischer Zulieferbetrieb, der Labels für viele Markenunternehmen produzierte, weigerte sich, die neu gegründete Gewerkschaft in ihrer Fabrik anzuerkennen und entließ Mitglieder der Gewerkschaft.

Nike war auch Einkäufer bei dem Zulieferer Hermosa, eine salvadorianische Fabrik, die geschlossen wurde, nachdem eine Gewerkschaft in der Fabrik gegründet wurde. Die Arbeiter blieben zurück ohne die ausstehenden Löhne ausbezahlt zu bekommen und ohne dass das Unternehmen Sozialabgaben gezahlt hatte. Es dauerte eine Zeit bis ein Kompensationfonds in Höhe von sage und schreibe 36.000 Dollar eingerichtet wurde. Allerdings muss klar darauf verwiesen werden, dass die 36.000 Dollar keine Entschädigung der Arbeiter darstellt. So wurden alle ehemaligen Hermosa-Arbeiter über die Jahre hinweg laut einer FLA-Berechnung um über 800.000 Dollar betrogen. Alle Markenunternehmen, inklusive Nike, die von der Fabrik Hermosa Produkte bezogen haben, sind weiterhin aufgefordert, ihren Beitrag für den Entschädigungsfonds zu erhöhen.

Im Juli 2008 deckt das australische Nachrichtenprogramm „Channel 7“ Zwangsarbeit und menschenunwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen von Migranten aus Bangladesch, Vietnam und Burma auf, die in einem Zulieferbetrieb in Malaysia von Nike beschäftigt waren. Nike garantierte daraufhin, dass alle betroffenen Arbeiter sich entscheiden könnten, ob sie wieder in ihre Heimat zurück, oder in Malaysia bleiben wollten. Das Unternehmen würde dafür sämtlich Kosten und Entschädigungen übernehmen.


Aufgrund der ursprünglichen Flucht der Arbeiter aus noch schlimmerem Elend und der grundsätzlichen Beschaffungsethik des Konzerns, darf man den Nike-Slogan: „Just do it.“ einfach nicht mehr blind als Marketingzugpferd einer riesigen Maschinerie betrachten, sondern als Ausdruck eines Kapital gewordenen Unrechts das Existenzen zerstört. Anscheinend wird nach diesem Strickmuster der „sportliche Gedanke“ des Unternehmens gekrönt. Der größte Sportartikelhersteller der Welt scheint immer noch und trotz aller Kritik, auf diese Art und Weise zu glauben, sozial-politisch und bewusst zu handeln.





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