© 2010 admin

Pumas ethischer Anspruch

Puma hat 2009 den schwersten wirtschaftlichen Abschwung in der Firmengeschichte hinnehmen müssen. Im Vorfeld der diesjährigen Hauptversammlung betont Puma seine Unternehmensverantwortung, spricht davon, stark zu sein, indem es Gutes bewirkt. Auf Arbeiter in Zulieferländern Pumas, besonders in Mittelamerika, müssen diese Aussagen wie blanker Hohn wirken.

Im Dezember 2005 wurde erstmals ein gemeinsames Projekt von Puma und der Clean Clothes Campaign/Kampagne für saubere Kleidung (CCC) gestartet. Damit war Puma das erste Sportlifestyle-Unternehmen, das mit dem größten Bündnis aus entwicklungspolitischen Nicht-Regierungsorganisationen und Gewerkschaften im Bereich Bekleidung zusammenarbeitet. Hintergrund des Pilotprojektes war die Überprüfung von Arbeitsbedingungen, die Umsetzung und Ausweitung einer unabhängigen Kontrolle sowie die Verifizierung der Einhaltung von Sozialstandards in zwei Zulieferbetrieben des Sportlifestyle Unternehmens sowie deren Sublieferanten. Wesentlich hierbei war die Beteiligung lokaler Organisationen. Das Projekt baute auf den Verhaltenskodizes von PUMA und der Kampagne für „Saubere Kleidung“ auf und untersuchte schwerpunktmäßig die Bereiche Gewerkschaftsfreiheit, Recht auf Kollektiv-Verhandlungen sowie Entlohnung und Überstunden.

Das Projekt konnte bis Juni 2006 nur teilweise durchgeführt werden. Ein zweiter Zulieferbetrieb hatte überraschenderweise die Geschäftsbeziehungen zu Puma nicht aufgenommen und in der Folge konnte das Projekt mit diesem Hersteller nicht realisiert werden. In der überprüften Fabrik wurden, wie erwartet, Problembereiche identifiziert. So belegt der Bericht unter anderem, dass es in der entsprechenden Fabrik in der Vergangenheit Unregelmäßigkeiten bei Entlassungen gab und dass das Management der Fabrik der Bildung von Gewerkschaften offensichtlich nicht positiv gegenüber steht. Die Verhaltenskodizes von CCC und auch Puma selber, enthalten jeweils klare Forderungen im Hinblick auf die Gewerkschaftsfreiheit.

Da das Projekt auf zwei Zulieferer ausgelegt war, schlug die Ethikabteilung Pumas einen Zulieferer in Mexiko vor, auf den sich CCC und Puma einigten. Dem finanziellen Mehraufwand wollte der Puma-Vorstand allerdings nicht zustimmen. Absurd ist, dass ein Global Player wie Puma solch ein Projekt an relativ bescheidenen Summen scheitern lässt. Vor dem Hintergrund der infrastrukturellen Möglichkeiten und ethischen Ansprüche des Unternehmens ist dieser Schritt absolut unverständlich und es wurden nicht nur die CCC und ihre Partnerorganisationen, sondern vor allem die Beschäftigten vor den Kopf gestoßen. Es scheint, als habe Puma die CCC und auch alle weiteren Beteiligten, mit Hinblick auf die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006, lediglich für Imagezwecke und Corporate Social Responsibility-Greenwashing instrumentalisiert. Wahrscheinlich kein geplanter Schachzug der Puma-Geschäftsführung, aber doch ein Abbild der Strategien großer Bekleidungshersteller.

Der gezahlte Mindestlohn bei Zulieferern von Puma in El Salvador liegt monatlich bei umgerechnet 122 Euro brutto. In dem mittelamerikanischen Land wird allerdings mindestens das Dreifache benötigt, um die Grundbedürfnisse der Arbeiter und deren Familienmitgliedern abdecken zu können. An Dinge wie Kleidung, Miete, Strom, Wasser, der Schulbesuch der Kinder und Gesundheitsversorgung ist gar nicht zu denken. Immer wieder berichten Arbeiter aus Zulieferbetrieben von Puma, dass sie unter massivem Druck stehen, die täglichen Produktionsmengen zu erreichen. Bei Nichterfüllung der viel zu hoch angesetzten täglichen Mindestproduktionsmengen gibt es schriftliche Abmahnungen. Wenn die Arbeiter keine von Ihnen verlangten Überstunden akzeptieren, wird ihnen mit Arbeitsplatzverlust gedroht. Viele Arbeiter fordern zudem aus der gleichen Angst heraus die Einhaltung ihrer Rechte nicht ein. Die Fabrikbesitzer verhindern weiterhin erfolgreich Gewerkschaftsbildungen.

Vor dem Hintergrund der Aussagen des letzten offiziellen Nachhaltigkeitsberichts, erscheinen die Banzer Gespräche, das jährliche Stakeholder-Treffen von Puma, ebenso wie die kläglichen Versuche Pumas, an der Gesamtsituation etwas zu ändern, als Greenwashing-Kampagnen und Ethik-Propaganda. In besagtem Bericht vertritt Puma ganz offen die Position, es sei nicht die geeignete Zeit, einen Lohn zu fordern, der die Lebenshaltungskosten deckt.




Puma Unternehmenswebsite
Puma Nachhaltigkeitsbericht ´07 ´08
Puma und die FIFA WM 2010
Firmenprofil Puma auf saubere-kleidung.de
Puma bei CI Romero
Puma Story auf Stern.de