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Fair Wear Foundation

Die Fair Wear Foundation (FWF) ist eine aus den Niederlanden stammende internationale Verifizierungsinitiative, die sich für ein besseres Leben von Arbeitern und Arbeiterinnen auf der ganzen Welt einsetzt.

Die FWF kooperiert mit einer wachsenden Zahl von Unternehmen, die Kleidung und andere genähte Produkte herstellen und Verantwortung für ihre Zulieferkette übernehmen wollen. Die FWF überprüft regelmäßig die erzielten Verbesserungen der Unternehmen, die mit ihr zusammenarbeiten. Das Ziel der FWF sind gute Arbeitsbedingungen in der Textilherstellung in Produktionsländern.
Unternehmen die der FWF beitreten, akzeptieren damit den FWF-Verhaltenskodex bei ihren Lieferanten durchzusetzen. Dieser Kodex richtet sich nach den Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und dem Verhaltenskodex der Clean Clothes Campaign (CCC). Wie fast alle anderen Verhaltenskodizes auch, umfasst der FWF-Kodex folgende acht Kernelemente. Freiwillige Beschäftigung der Arbeiter, keine Diskriminierung der Beschäftigten, keine Kinderarbeit, Achtung der Vereinigungsfreiheit und des Rechtes auf Tarifverhandlungen, Zahlung ausreichender Löhne, keine überlangen Arbeitszeiten, menschenwürdige Arbeitsbedingungen (Arbeitsplatzsicherheit und -hygiene) und das feste vertraglich geregelte Arbeitsverhältnisse bestehen.

Die Fair Wear Foundation wurde 1999 in den Niederlanden vom Verband des Einzelhandels, dem Verband der Bekleidungsfirmen, Gewerkschaften und Nicht-Regierungsorganisationen (NGO´s; u.a. Clean Clothes Campaign) gegründet. Ein großer Meilenstein für die FWF war 2005 der Beitritt von Hess Natur, dem größten deutschen Naturtextilhersteller. Zuvor hatte die CCC öffentlich die Frage gestellt, wie es denn um die Sozialstandards in den Hess Natur-Zulieferbetrieben bestellt sei. Aufgeschreckte KundInnen forderten eine nachvollziehbare Kontrolle der Produktionsstätten. Um keine Kunden zu verlieren, erklärte sich Hess Natur zu einem Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit der CCC bereit. Eine Arbeitsgruppe aus Hess-Mitarbeitern und der CCC glich den vorhandenen Verhaltenskodex von Hess Natur an, so dass er heute dem der CCC entspricht. Im Rahmen dieses Versuchs wurden unabhängige Kontrollen der Zulieferbetriebe durchgeführt, unter anderem von der FWF. Die positiven Erfahrungen und das spürbare Interesse der Kunden bewogen Hess Natur schließlich dazu, als erstes Unternehmen außerhalb der Niederlande der FWF beizutreten.

Die Umsetzung des Verhaltenskodex wird als gemeinsamer Prozess der FWF und deren Mitglieder (Unternehmen) gesehen. Die FWF ihrerseits überprüft durch Fabrikkontrollen, wie die Sozialstandards von den Mitgliedsunternehmen einerseits, und von den Zulieferbetrieben andererseits umgesetzt werden.
Die Vorgehensweise der FWF ist nicht mit der kommerzieller Kontrollorgane zu vergleichen, so genannter Auditfirmen. Letzteren und deren Auditteams wird von den Beschäftigten in Produktionsbetrieben meist nicht vertraut. Der Grund hierfür ist so einfach wie plausibel. Kommerzielle Auditteams werden von Auftraggebern aus Industrienationen mit Kontrollen in Zulieferbetrieben beauftragt. Aufgrund von möglicher Kritik am eigenen Betrieb fürchten die Arbeiter Bestrafungen, Arbeitsplatzverlust und Misshandlungen. Somit erfahren die Auditoren oftmals nichts über Arbeitsrechtsverletzungen in den Betrieben.

Die FWF stellt Auditteams zusammen, die größtenteils, oder sogar gänzlich, aus Personal von vor Ort bestehen. Diese Audits sollen Missstände der Arbeitsbedingungen in Zulieferbetriebe aufzeigen bzw. erkennen lassen. Zweck und Hintergrund des Audits müssen vermittelt werden. Erster Schritt eines Audits ist es, der Angst der Arbeiter vor Arbeitsplatzverlust entgegenzuwirken. Gleichzeitig wird das Managementsystem des Auftraggebers überprüft, denn oftmals sind Lieferfristen und gebotene Abnahmepreise eng mit den Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten verknüpft. Gemeinsam mit Arbeitern, Gewerkschaften und NGO´s auf der einen und Geschäftsführern der Zulieferbetriebe sowie den Auftraggebern auf der anderen Seite, wird so versucht bessere Arbeitsbedingungen in Zulieferbetrieben zu schaffen. In der Regel geschieht dies über Step-by-Step Pläne, die zeitliche Vorgaben berücksichtigen und vorausschauend langfristig in der Supply-Chain der Auftraggeber, und somit auch in deren Zulieferbetrieben, implemetiert werden sollen. Die Verantwortung dafür wird gleichermaßen bei Produzenten sowie Auftraggebern im Industrieland gesehen.

Was Auditteams von FWF etc. grundsätzlich von kommerziellen Audits unterscheidet ist der Fakt, dass diese Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO´s) nicht von Adidas oder Nike bezahlt werden und so weniger undurchsichtige Ermessensspielräume für Zulieferbetriebe bei der Durchsetzung von Verhaltenskodizes entstehen können. Aber auch Organisationen wie die FWF sind auf die Mitarbeit ihrer Mitglieder angewiesen und oft sind es langwierige und schleppende Prozesse, die vorhandenen Strukturen von Textilherstellern aufzubrechen.



Hauptkritik an Organisationen wie der FWF ist, dass die Kontrollen zu lasch sind und nicht flächendeckend erfolgen. Einerseits spielen hier finanzielle Aspekte eine Rolle, aber oft auch mangelnder Spielraum für Strukturveränderungen bzw. mangelnde Mitarbeit der Mitglieder, auf die die FWF angewiesen ist. Durch wachsendes Bewusstsein der Konsumenten für die ethischen Aspekte von Konsumgütern wird z.T. vermutet, dass Hersteller diese Organisationen für Imagezwecke benutzen. Trotz einer kostenpflichtigen Mitgliedschaft in der FWF ist nicht auszuschließen, dass Hersteller dazu verleitet werden, die FWF für eigene gewinnorientierte Interessen zu missbrauchen.




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