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Adidas leugnet Arbeitsrechtsverletzungen

Arbeitern und Arbeiterinnen des Adidas-Produzenten Hermosa wurden jahrelang elementare Arbeitsrechte vorenthalten. Und Adidas will von all dem nichts gewusst haben.

Recherchen der Christlichen Initiative Romero (CIR) belegen, dass Arbeitsrechtsverletzungen in Produktionsstätten von Adidas in El Salvador an der Tagesordnung waren. Die Arbeiter litten unter enormen Arbeitsdruck, die Löhne wurden nicht pünktlich bezahlt, und noch schlimmer, die Sozialabgaben zwar vom Lohn abgezogen, aber jahrelang nicht abgeführt. Die Arbeiter standen im Jahre 2005, nach Schließung der Fabrik, ohne Rentenanspruch und ohne Zugang zum Gesundheitssystem da. Die Schließung der Fabrik war lediglich der traurige Höhepunkt der Arbeitsrechts- bzw. Menschenrechtsverletzungen in der Fabrik nördlich San Salvadors, der Hauptstadt El Salvadors.

Estela, eine der Arbeiterinnen aus San Salvador, erzählt von den Arbeitsbedingungen in der salvadorianischen Fabrik, in der unter anderem für Adidas und Reebok produziert wurde. Seit Dezember 2003 hatte das Unternehmen Hermosa Manufacturing, S.A. Lohnzahlungen zurück gehalten. Scheinheilige Begründung war ein säumiger Kunde des Unternehmens, der zahlungsunfähig sei. Trotzdem wurden die ArbeiterInnen zu Überstunden, auch an Sonntagen, gezwungen.
In der Folgezeit verschlimmerte sich die Lage, ab November 2004 wurde der Lohn sogar gedrittelt, die Sozialabgaben zwar vom Lohn abgezogen, aber nicht abgeführt. Alle Fehlzeiten, auch Krankheit wurden vom Lohn abgezogen. Als die ArbeiterInnen den Missstand bei Vorgesetzten und auch dem Geschäftsführer reklamierten, bekamen sie die Antwort, dass Unternehmen trage doch keine Schuld an ihrer Krankheit. Der Geschäftsführer Salvador Montalve fügte hinzu, dass er keine Faulenzer haben wolle. Er könne gerade nicht zahlen, wenn die Arbeiter Hunger hätten sollten sie eben arbeiten, „denn Arbeit lässt den Hunger vergessen“.

Eine Gruppe der Arbeiter entschloss sich bei der Gewerkschaft Fenestras Hilfe zu suchen. Am 3. April 2005 wurde ein Betriebsrat offiziell beim Arbeitsministerium eingetragen. Es folgten Beschimpfungen und Bedrohungen durch eine gelbe Gewerkschaft (Unternehmergewerkschaft), man würde gewalttätige Jugendbanden (Maras) auf die Mitglieder hetzen, und die Protestler töten. Im Juni 2005 wurde der Betrieb durch den Besitzer geschlossen, der bereits große Teile seiner Maschinen in ein anderes Werk verlegt hatte und dort bereits produzierte. Gewerkschaftsmitgliedern verweigerte er dort die Einstellung.

Adidas hatte von all dem angeblich nichts mitbekommen, trotz der Mitgliedschaft in der Fair Labor Organisation (FLA). Die CIR informierte Adidas 2005 über die eklatanten Arbeitsrechtsverletzungen und forderte den Weltkonzern dazu auf, sich für die Belange der Arbeiter in besagter Produktionsstätte einzusetzen. Dies gestaltete sich nach Worten des Adidas-Weltdirektors für Umwelt und Soziales äußerst schwierig, „da der Konzern seit zwei Jahren keine geschäftlichen Beziehungen zu Hermosa unterhalten hat.“
Der CIR liegen unterschriebene Versicherungen von Hermosa-ArbeiterInnen vor, aus denen hervorgeht, dass bis März 2005 Adidas-Produkte von Hermosa genäht wurden.

Was sind die Gründe für die Aussagen von Adidas, es hätten keine geschäftlichen Beziehungen zu Hermosa bestanden? Entweder ist das Kontrollsystem von Adidas so schlecht, dass der Konzern nicht weiß wo seine Produkte gefertigt werden oder der Weltkonzern versucht sich aus der Verantwortung zu stehlen. Am wahrscheinlichsten ist beides.




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